Weihnachten in Russland wie es einst war

 


Russische Weihnachten wurde nach dem Julianischen Kalender am 7. Januar gefeiert (Das ist nach dem Julianischen Kalender der 25. Dezember). Während der katholische Westen ab 1582 den genaueren Gregorianischen Kalender übernahm ( Deutschland tat das z.B. im Jahre 1700) und die meisten protestantischen Staaten den Julianischen Kalender nur bis ins 18. Jahrhundert beibehielten, blieb Russland bis 1918 beim Julianischen Kalender.

 

Die Kalenderreform vom 1582 und der Übergang zum  Gregorianischen Kalender haben die Orthodoxen Kirchen von  Konstantinopel/Ökumenisches Patriarchat, Alexandrien, Antiochien, Rumänien, Bulgarien, Zypern, Griechenland (mit Ausnahme der Republik Athosklöster), Albanien, Finnland und die syrisch-orthodoxe Kirche übernommen. Die Kirchen, in denen weiter der julianische Kalender gilt, sind die von Jerusalem, Russland, Polen, Tschechien, Slowakei, Serbien, Georgien, Ukraine, Estland, die Athosklöster Griechenlands und die koptische und äthiopische orthodoxe Kirche.

 

In Alt-Russland fand der Jahreswechsel am 1. September (bei manchen aber auch am 23. September) statt. Der Januar war der fünfter Monat im altrussischen Kalender. Erst 1700 befahl Peter der Grosse, das Neujahr wie in Westeuropa am 1. Januar zu feiern. So kam auch das Weihnachtsfest nach Russland. Zuerst wurde am 6. Januar ein großes Fest gefeiert – das Fest der Erscheinung des Herrn, später wurde es geändert – am 7. Januar feierte Russland die Geburt des Herrn.

 

 

 

Sochelnik - Heiligabend

 

Nach den Vorschriften der Russisch-Orthodoxen Kirche fand vor dem Weihnachtsfest ein 40-tägiges Fasten (das weniger streng als das Fasten vor Ostern ist) vom 28. November bis zum 6. Januar statt.

Heiligabend in Russland ist am 6. Januar, auf Russisch heißt er „Sochelnik“. Das Wort kommt von altrussischen „Sochivo“ – ein rituelles altrussisches Gericht aus Weizen oder anderem Getreide (das Rezept s. hier), das in Alt-Russland zu wichtigen Ereignissen zubereitet wurde: Hochzeit, Geburt eines Kindes oder dessen Taufe. Für eine Beerdigungsfeier hatte Sochivo einen speziellen Namen – „Kutjya“. Nach die Weihnachtsfeier Brauch wurde, ist Weihnachtliches Sochivo zur Tradition geworden.

 

Der Brauch, zum Heiligabend den Tannenbaum zu schmücken, kam  aus Deutschland nach Russland. Die erste schriftliche Erwähnung des Weihnachtsbaums in den Annalen bezieht sich auf das 16. Jahrhundert. In Strassburg dekorierten Armen und Reichen die Tannenbäume zum Heiligabend mit Früchten, Obst und Süßigkeiten. Nach und nach verbreitete sich diese Tradition in ganz Europa.

 

Im Jahre 1699 befahl Peter der Große, die Häuser vor dem Weihnachtsfest mit  Fichten-, Kiefer- und Wacholderzweige zu dekorieren. In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Tannenbäume in den Häusern deutscher Familien in St. Petersburg aufgestellt, und die ersten Weihnachtsbäume auf den Strassen und Plätzen in der Hauptstadt  kamen erst im Jahre 1852.  Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts hat sich dieser Brauch in ganz Russland verbreitet und ist zum Hauptbestandteil der Weihnachtsdekoration geworden.

 

 

Das wichtigste Ereignis des Heiligabends in Russland war ein stundenlanger Gottesdienst, erst danach durfte man zu Tisch. Sochelnik war ein Familienfest, man feierte es im Familienkreis.

 

Unter den Tisch legten die Altrussen am Heiligabend etwas Heu (manchmal sogar auf den Tisch unter das Tischtuch), das sollte eine Krippe symbolisieren. Auf den Tisch stellte man Kerzen und  Weihnachtsgerichte – es sollten insgesamt 12 Gerichte auf dem Tisch stehen – die Zahl der Apostel Jesu.

 

Auf den Festtisch am Heiligabend gehörten nur magere Gerichte: Sochivo, BliniOladji und Pirogi mit Pilz- oder Gemüsefüllung. Es wurden unbedingt „Koljadki“ gebacken – spezielle sternförmige Weihnachtspirogi (das Rezept s. hier). Man trank Wzwar  - eine Kompottvariante  aus getrockneten Äpfeln, Birnen und Pflaumen.

 

 

Richtig reich wurde der Tisch am nächsten Tag, dem 7. Januar gedeckt. Die besten der auf Vorrat anschafften Lebensmittel wurden auf den Tisch gestellt: ureigene russische Vorspeisen: Fisch in Aspik und Sülze, außerdem Blini und Pirogi; mit Buchweizenbrei gefüllte Ferkel, Gans oder Ente mit Äpfeln oder Kohl, Hase im Schmand, Lammkeulen; aus dem Schwein: Kochschinken, Würste und Pasteten; Eingelegtes, Gebäck und Süßigkeiten.

 

Nach dem festlichen Gottesdienst in der Dämmerung, „als der erste Stern am Himmel erschien“ (Analogie zum Stern vom Bethlehem, der, nach dem Matthäusevangelium, den Weg zum Geburtsort Jesu Christi gewiesen haben soll) wurde kräftig gefeiert und gegessen.

 

 

Traditionell gab es bei Bauern in Russland Geschenke nur für Kinder zum Weihnachten: Süßigkeiten und selbst gemachtes Spielzeug. Sie wurden unter das Kopfkissen des Kindes in der Nacht zum 7. Januar gelegt. Später, als Christbaum zu Brauch wurde, wurden die Geschenke unter den Baum gelegt.

 

 

Aberglaube in der Weihnachtszeit

 

 

 

Die Hausfrauen im alten Russland haben zwischen Heiligabend und Silvester im Haus nicht gefegt. Das machten sie am ersten Tag des neuen Jahres und verbrannten anschließend den gefegten Müll im Hof. Sie glaubten, auf diese Weise das mögliche Unglück aus dem Haus hinauszufegen und die Ernte im eigenen Garten zu sichern.

 

Es war eine Sünde, zwischen dem 7. Januar (Weihnachten) und dem 19. Januar (Fest der Taufe des Herrn) auf die Jagd zu gehen; man glaubte fest daran, dass der Jäger dafür mit einem Unglücksfall bestraft wurde.

 

 

 

 

Bauernregeln für Heiligabend

 

 

Schnee am Heiligabend – die Ernte wird gut.

Schneesturm am Heiligabend – es wird viele Bienen im Sommer geben.

Reif am Heiligabend  deutet auf gute Weizenernte.

Viele Sterne im Himmel zu sehen – die Erbsenernte wird gut.

 

Bauernregeln - Aberglaube oder Wissenschaft ?

 

 

Swjatki oder Weihnachtszeit

 

Am 7. Januar beginnt das Fest „Swjatki“ – ein zwölftägiges Fest zu Ehren des geborenen Herrn, das mit dem Fest der Taufe des Herrn nach dem russisch-orthodoxen Kalender am 19. Januar (Dreikönigsfest) endet. Die wichtigen Ereignisse dieses Festes sind der feierliche Gottesdienst am 7. Januar,  Neues Jahr nach dem alten Kalender am 14. Januar (altes Neues Jahr genannt) und der feierliche Gottesdienst am 19. Januar.

 

Swjatki war das längste und beliebteste Fest des Jahres, eine fröhliche unbeschwerte Zeit für jung und alt. Die traditionellen Swjatki Bräuche – Koljada, Rjazhenie und Weihnachtliche Wahrsagerei – waren in ganzen Russland verbreitet und beliebt. Diese Bräuche sind heidnischer Herkunft und haben im christlichen Russland einen neuen Inhalt bekommen.

 

Natürlich haben in erster Linie die jungen Leute diese Bräuche ausgeübt, aber auch alle anderen, sogar verheiratete Frauen, für die es ansonsten sehr strenge Regeln gab.

 

Die erste Swjatki Woche hieß „heilige Woche“ – zu Ehren des neugeborenen Herrn, die zweite – „schreckliche Woche – in Erinnerung an alle Jungen Bethlehems, die König Herodes ais Angst vor dem Messias umbringen ließ.

 

Koljada

 

 

Kolyada im Altslawischen symbolisierte dieses Wort die Anbetung der Sonne. Ursprünglich war das ein Gesang über die natürlichen Phänomene - Sonne, Stürme, Schnee und Regen und gleichzeitig ein Gebet über die gute Ernte, ein glückliches Familienleben bei Hochzeiten oder ein langes gesundes Leben für ein neugeborenes Kind. Im christlichen Russland wurde Kolyada zu einem Gesang zu Ehren der Geburt Christi. Koljadowat – ist das Verb dazu.

 

Im Altrussischen, je nach Region, wurde das Wort „Koljada“ für unterschiedliche Begriffe benutzt. Im Norden heißt so Weihnachtlicher Sochelnik – Heiligabend, im Süden heißt so Heiligabend und sogar das ganze Swjatki Fest, in der Novgorod Region ist „Koljada“ der Name für Geschenke, die man dabei erhält, in der Smolensk Region bedeutet dieses Wort „betteln“.

 

Das Verb „koljadowat“ bedeutete überall das gleiche: den Brauch, in einer Gruppe von Haus zu Haus zu gehen, Weihnachtslieder zu singen, mit Gesang den Leuten zum Fest zu gratulieren und Geschenke dafür zu bekommen: Pirogen, Süßigkeiten und Geld.

 

Es wurden  dabei auch erste theatralische Stücke gespielt: mit Hilfe von „Wertep“ – einer speziellen Holzkiste mit auf Stöcken befestigten Puppen – wurden Szenen der Geburt Christi gezeigt. Der Herr und die heilige Maria durften nicht mit Hilfe der Puppen dargestellt werden, sie wurden durch Ikonen repräsentiert. Koljada war überall verbreitet, in Städten wie auf Dörfern.

 

Koljadowat mochten alle, aber besonders junge Leute, Männer und Frauen. Sie gingen in Gruppen auf die Strasse, vorn jemand mit einem Stock in der Hand mit darauf befestigtem Stern oder einer Laterne in Sternform, blieben vor dem Haus stehen, wo das Licht in den Fenstern zu sehen war und fingen an zu singen.Man hat meistens schon auf sie gewartet, die Geschenke waren vorbereitet, und die Erwachsenen genau so wie die Kinder freuten sich über ihrer Ankunft.

 

 

Die Lieder, die man sang, waren entweder von alters her bekannt und erzählten, wie die heilige Maria das Kind zur Welt brachte, oder es waren lustige Improvisationen, manchmal sogar mit Drohungen, etwa so: „Wer uns keinen Pirogen gibt, dem brechen wir alle Töpfe!“ Und das konnten sie auch tatsächlich tun. Es war erlaubt, in Swjatki Streiche zu spielen, war eben als Streich und nicht als Vergehen angesehen.

 

Während Swjatki ging man dreimal koljadowat: am Heiligabend, in der Silvesternacht und in der Nacht vor dem Taufe-Fest.

 

Es ist bekannt, dass Peter der Große koljadowat sehr mochte und diejenigen peitschen ließ, die nicht mitmachen wollten.

 

 

Rjazhenie - die Swjatki Maskerade

 

Noch eine schöne Swjatki Tradition: Die Weihnachtsmaskerade, auf Russisch „Rjazhenie“. Dieser  Brauch war besonders beliebt und überall verbreitet.

 

Die Kostüme für die Maskerade wurden mit einfachen Mitteln kreiert: Ein gewendeter Schafspelz, mit Russ bemaltes Gesicht, selbst gemachte Zotten, aus der Rübe geschnittene große Zähne – und fertig ist der Teufel! Bekannte und verbreitete Maskerade-Kostüme waren auch die von Verstorbenen, Zigeunern, Soldaten und Hexen, es war auch erlaubt, jemanden aus der Nachbarschaft darzustellen.

 

Es wurden auch Masken gemacht, meist aus Birkenrinde. Man schnitt Birkenrinde zurecht, machte Löcher für die Augen, die Nase und den Mund, befestigte die Nase aus der Birkenrinde und den Bart aus dem Leinen und rötete die Wangen mit Rote Bete. Die gut gelungenen Masken hat man bis zur nächsten Swjatki aufbewahrt. Die Menschen in den Maskerade-Kostüme nannte man „Rjazhenye“.

 

 

Gleich am ersten Swjatki Tag erschienen die ersten „Rjazhenye“ – meist die Kinder – auf den Strassen, die Erwachsenen machten ihre Aufführung  erst am Abend. In einer Gruppe gingen die Rjazhenye ins Nachbarhaus und fingen an, zu tanzen und die Hausbewohner zu erschrecken. Die Hausbewohner mussten sich dann währen und „das Böse“ aus dem Haus hinausjagen. Die Zuschauer mussten dabei auch erraten, wer hinter jedem Kostüm steckt.

 

Das Spiel war nicht nur Unterhaltung, es hatte auch tieferen Sinn: den Weg fürs neue Jahr zu bereinigen und alles Schlechte aus dem Weg zu räumen.

 

 

 

Weihnachtliche Wahrsagerei

 

Weihnachtliche Wahrsagerei war sehr verbreitet. Während der Swjatki Wochen und besonders in der Nacht vom 6. zu 7. Januar haben die russischen Mädchen verschiedenen Arten von Wahrsagerei verwendet, um alles über ihre Zukunft zu erfahren. Es gab unzählige Methoden dafür, die bekanntesten Varianten sind hier dargestellt.

 

 

 

Mehr über Wahrsagerei in Russland bitte  hier lesen.

 

 

Wahrsagerei mit einem Spiegel

 

Im dunklen Zimmer stellt man einen Spiegel auf, vor ihm – eine brennende Kerze. Das Mädchen soll sehr konzentriert und ohne Unterbrechung durch die Kerzenflamme in den Spiegel gucken. Es wird erwartet, dass es ihr zukünftigen Ehemann im Spiegel sehen wird.


Wahrsagerei mit einem Handtuch

 

Ein weißes Handtuch wurde in der Weihnachtsnacht draußen aufgehängt. Wenn es am nächsten Tag nass oder feucht ist, wird das Mädchen im kommenden Jahr heiraten.

 

Wahrsagerei mit einem Schuh

 

Diese Methode war sehr bekannt und verbreitet. Das Mädchen nimmt  seinen linken Schuh ab und wirft ihn über das Zauntor. Wenn die Schuhspitze zurück in die Torrichtung zeigt, bleibt es mindestens noch ein Jahr zu Hause. Wenn die Schuhspitze in die andere Richtung zeigt wird es im kommenden Jahr heiraten.

 

Einen Passanten fragen

 

Dies ist eine der einfachsten Methoden, aber sehr effektiv. In der Weihnachtsnacht geht das Mädchen auf die Strasse und fragt nach dem Namen des ersten ihr entgegenkommenden Mannes.

So wird auch ihr Ehemann heißen.

Wahrsagen mit einem Huhn

 

So kann man mehr über den zukünftigen Ehegatten mehr erfahren.

Mann stellt mehrere Teller auf den Fußboden: mit Brot,  Wasser, Kohlen, Gold-, Silber- und Kupferstücken. Dann holt man ein Huhn herein. Entscheidend ist wo das Huhn zuerst hin geht: geht es zuerst zum Teller mit Kohlen, wird das Mädchen einen armen Mann heiraten; trinkt das Huhn zuerst das Wasser, wird der „Zukünftige“ ein Trinker; entscheidet es sich für das Brot oder das Silberstück, wird der Ehemann wohlhabend sein; das Goldstück prophezeit einen reichen Ehemann; und das Kupfer steht für die schlimmste Variante: der „Zukünftige“ wird nicht nur faul sondern auch noch untreu sein.

 

Wahrsagerei mit einem Holzstück

 

Im Dunkeln wählt man ein Holzstück und guckt dann bei Licht ganz genau hin: ist das Stück glatt, so wird der zukünftige Ehemann ein ruhiger und fairer Mensch sein, ist es zu trocken, wird er nicht besonders klug sein, hat das Stück viele Risse, wird es ein aggressiver Mann sein.

 

Wahrsagerei auf Karo König

 

Wenn man erfahren wollte, was eine bestimmte Person über sie (oder ihn) denkt, legte man die Karte, die diese Person symbolisierte in der Weihnachtsnacht unter das Kopfkissen. Am nächsten Tag wusste man es. Für einen jungen Mann – Karo König, für einen Geschäftsmann – Kreuz König, für eine Militärperson – Pik König.

 

Wahrsagerei mit brennendem Papier

 

Im dunklen Zimmer nimmt man bei Kerzenlicht ein Blatt Papier, zerknittert es mit den Händen, zündet es an und lässt es verbrennen. Man betrachtet den Schatten, den  das brennende Papier auf die Wand wirft und versucht es zu deuten. Wenn man glaubt, den Teufel gesehen zu haben, ist es ein schlechtes Omen, ein Kater bedeutet Flirt und romantisches Abenteuer, ein Vogel – große Veränderungen im Leben und Schloss, Haus oder Gebäude -  die Hochzeit.

 

Die Regeln für das Kartenlegen

 

 

 

 

 

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