Wahrsagerei


 

Die Geschichte

 

Alle Experten in Sachen Wahrsagerei sind der Meinung, dass es die Wahrsagerei gibt seitdem es Menschen gibt. Die ersten Angaben in den Annalen über die Praktiken der Wahrsagerei sind wahrscheinlich die aus dem Alten Ägypten. Einer der bekannten Legenden nach, basierte sich der  22-Blatt-Kartensatz auf 22 symbolischen Zeichnungen, die für Lernzwecke in ägyptischen Tempeln verwendet wurden. Diese Zeichnungen (es waren insgesamt 78 = 22 + 56) erzählten über die Weltordnung und die Regeln, die die Welt regieren. Als Ägypten von der Zerstörung bedroht war, wurden diesen Kartensätze erfunden, um das geheime Wissen zu erhalten. So, der Legende nach, wurde die Erhaltung des geheimen Wissens dem Laster und nicht der Tugend anvertraut, da die Tugend zu zerbrechlich ist und das Laster dagegen nie aus der Welt verschwindet.

 

Im Alten Rom war die Wahrsagerei ein Vorrecht der Auguren, einer speziellen Kaste der römischen Beamten. Sogar die Gründung Roms ist mit Wahrsagerei verbunden. Der Legende nach stiegen zwei Brüder, Romulus und Remus, auf zwei Hügel, um zu entscheiden, auf welchem Hügel Rom gegründet werden sollte. Sie haben die in ihrer Zeit traditionelle Methode der Wahrsagerei verwendet – den Flug von Vögeln. Das Erscheinen der Vögel in einem bestimmten Teil des Himmels wurde als guten Omen gesehen, die Anzahl der Vögel sagte voraus, wie viele Jahrhunderte das Römische Reich existieren wird. Romulus hat vom Palatin Hügel zwölf Geier gesehen, Remus vom Aventin Hügel  – nur sechs. So wurde Romulus zum Gründer Roms. Übrigens, die Wahrsagerei des Romulus war zu 97% korrekt: das Römische Reich existierte vom Jahr 753 v. Cr. bis zum Jahr 410, d.h. 1163 Jahre lang, nur 37 Jahre weniger als es prophezeit wurde.

 

Die wichtigste Weissagungsstätte des antiken Griechenland war der Tempel von Delphi, der sich am Hang Parnass bei der Stadt Delphi befand. Nach dem die Pythia (die Priesterin im Tempel von Delphi) das Gas, das aus dem Bergriss herausströmte, einatmete, wurde sie fähig, Prophezeiungen zu machen. Ihre letzte Prophezeiung hat die Pythia dem römischen Imperator Feodossij im Jahr 392 gemacht, sie prophezeite, dass der Übergang zum Christentum, der vor einem Jahr im Römischen Reich stattfand, es zugrunde richten würde. Im Zornesausbruch hat Feodossij den Tempel zerstört, das hat aber dem Römischen Reich nicht geholfen: der Zerfall des Reiches hat im Jahre 395 angefangen und im Jahre 410 existierte das Römische Reich nicht mehr – so, wie die Pythia es vorhergesagt hat.


Wahrsagerei in Russland

 

 

 

In Russland war die Wahrsagerei sehr verbreitet. Diese Tradition – wie viele andere auch – kommt von den Altslawen; woher sie diese Tradition haben, weiß niemand. Und obwohl die Wahrsagerei dem christlichen Glauben widersprach, war sie irgendwie erlaubt oder, besser gesagt, nicht ganz verboten. Die Wahrsagerei fand fast nur in den Swjatki Wochen (vom 7. Januar bis zum 19. Januar) statt und natürlich in der Weihnachtsnacht, in der Nacht vom 6. zum 7. Januar. Man glaubte, dass in diesen längsten Nächten des Jahres der Mensch sich näher denn je zur Tür zum Jenseits befand und wenn er, vor dieser Tür stehend, fragt, wird er gehört und bekommt vielleicht auch eine Antwort.

 

Man unterschied zwischen „geheimer“ und „offener“ Art von Wahrsagerei. Im fünften Kapitel von „Evgenij Onegin“ kann man die Beschreibung von so einer „offenen“ Methode lesen.

 

„…Aus einem Krug, wo sie geschwommen,

Wird Ring um Ring herausgenommen,

Und sie bekommt ihr Ringlein auch,

Wobei man singt nach altem Brauch:

„So reich sind dort die Mannsleut alle,

Das Silber scheffeln sie nur so:

Der, dem wir singen, der sei froh!“

Verlust verheißt in diesem Falle

Der traurige Refrain des Lieds,

Drum mögen Mädchen mehr die „Mietz“…“

 

Das ist die Wahrsagerei mit der Schüssel. Puschkin beschreibt die Wahrsagerei nicht im Detail, weil damals jeder bestens darüber Bescheid wusste. Sowohl in den Bauerfamilien als auch bei den Aristokraten nach dem Essen und Tanzen in den Swjatki Wochen setzten sich alle Gäste um einen Tisch, das mit einem speziell für diesen Fall aufbewahrten Tischtuch bedeckt war. In die Mitte wurde eine mit Wasser gefüllte Schussel gestellt. In das Wasser legte man zuerst einige Stückchen Brot, Salz und drei Kohlen, danach legten die Gäste ihre Ringe oder Ohrringe ins Wasser und deckten die Schüssel mit einem Kopftuch zu. Danach fingen alle an zu singen - es waren spezielle Wahrsagerei-Lieder. Beim Singen wurde der erste Ring aus dem Wasser herausgeholt. Das Lied, das genau in diesem Moment gesungen wurde, war die Prophezeiung für den Inhaber des Ringes. Prophezeiungen waren nicht nur über die Hochzeiten, sondern auch über eine bevorstehende Reise, Krankheit, Freude, ein Unglück und vieles mehr. Das Lied über die Katze- die „Mietz“ - das Puschkin erwähnt, prophezeit die Hochzeit, und viele junge Mädchen haben gehofft, dieses Lied als Prophezeiung für sich zu hören. Der Tatjana wird aber ein anderes Lied zuteilt, völlig harmlos den Worten nach, aber dieses Lied prophezeite den Tod vor ihrem Haus – den Tod von Lenski, die Abreise von Onegin, das Scheitern all ihrer Hoffnungen, - in gewissem Sinn war es auch der Tod des kleinen naiven Mädchens, wie Tatjana es bis dahin war. Am Ende des Romans werden wir die andere Tatjana sehen – selbstbewusst, ungezwungen, rigoros und uneinnehmbar.

 

 

Die „geheime“ Art der Wahrsagerei war besonders unter den russischen Mädchen verbreitet, sie war für intime, sehr private Fragen gedacht. So gab es Dutzende von Methoden, etwas über den zukünftigen Ehemann zu erfahren. Es war sehr wichtig, einige Regeln zu befolgen, um „gehört zu werden“, zum Beispiel, die richtige Zeit und den richtigen Ort für die Wahrsagerei auszuwählen. Die beste Zeit für die Wahrsagerei war der Abend, die Nacht und der frühe Morgen bis zum Sonnenaufgang. Der Ort musste abgeschieden sein, sodass während der Wahrsagerei niemand stören konnte, es wäre ein schlechtes Omen. Es war auch wichtig, dass sich im Raum keine Ikonen befanden. Deswegen hat man in den Hofgebäuden, meistens in der Banja – dem russischem Dampfbad – die Wahrsagerei angewendet.

 

Für eine erfolgreiche Wahrsagerei  musste das Mädchen nicht unter dem Schutz ihrer Religion stehen, dafür musste sie das Taufkreuz (das jeder russischer Mensch früher um dem Hals trug) ablegen, alle Knoten in der Kleidung lose machen, den Gürtel ablegen, das Haar offen tragen. (Der Gürtel ist in vielen Kulturen ein Symbol für einen Schutzkreis, genau so die Knoten.) So, schutzlos und mit vollem Vertrauen, konnte man hoffen, die Antwort auf seine Frage zu bekommen.

Die Methoden der Wahrsagerei waren wirklich unzählig. Hier werden die am häufigsten verwendeten Varianten vorgestellt.

 

 

Hier geht es zu Methoden der Weihnachtlichen Wahrsagerei .

 

Zum russischen Aberglaube geht es hier.

 

 

 

Wahrsagerei mit Kartenlegen

 

Am Ende des 18. Jahrhunderts hat sich in Europa das Kartenlegen sehr verbreitet, nicht ohne den Einfluss von Marie Lenormand, der berühmten französischen Wahrsagerin. In Russland ist der so genannte Lenormand Kartensatz etwa im 19. Jahrhundert bekannt geworden. Die Russen waren aber schon mit dem Kartenlegen vertraut. Die Zigeuner hatten die Tarotkarten bereits nach Russland gebracht.

 

Da die Zigeuner sich sehr von den sesshaften Russen unterschieden und durch ihre ungewöhnlichen Bräuche die Neugierde der Menschen weckten, wurde über ihre Ankunft sofort berichtet und so ist es ganz genau bekannt, dass sie zum ersten Mal im Jahr 1505 im Süden Russlands erschienen sind. Um die russischen Weite zu bewältigen, haben die Zigeuner etwas über 200 Jahre gebraucht. Im Jahr 1721 haben sie die sibirische Stadt Tobolsk erreicht. Die Zigeuner in Russland, wie auch überall, waren für ihre Tänze und wunderschönen Lieder bekannt, sie konnten die Pferde zureiten und heilen, aber auch sie stehlen, waren gute Schmiede und Verzinner, aber auch Schlangenbeschwörer und Weissager oder, genau gesagt – Weissagerinnen.

 

Die Zigeunerinnen konnten das Schicksal eines Menschen aus seiner Hand lesen und sie konnten Kartenlegen – Tarotkarten, später auch Lenormand Karten und auch Spielkarten. Am Anfang hatten die Russen die neuen Bräuche mit Mistrauen und sogar mit Angst aufgenommen. Angst hatten sie, weil es sich sehr schnell herausgestellt hatte, dass die Prophezeiungen meist Wirklichkeit wurden.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es schon genug Weissager, meist aber Weissagerinnen, unter den Russen, die das Kartenlegen perfekt beherrschten, und das Kartenlegen selbst wurde zu einem sehr verbreiteten russischen Brauch.

 

       Das sind die Karten aus dem Zigeuner Tarot Kartensatz

 

Regeln fürs Kartenlegen

 

 

Es wird angenommen, dass es bestimmte Regeln gibt, die man befolgen sollte, um die

 

Genauigkeit der Vorhersagen zu erhöhen. Hier sind ein paar von ihnen:

 

 

-         Die genauesten Vorhersagen sind am ersten Tag des Jahres, am Tag der Geburt und  am 13. jedes Monats. Der beste Tag ist Freitag, der13. ...

-  Bei Regen und Nebel lügen die Karten.

 

-         Die Weißsagung wird positiv beeinflusst, wenn sich ein Kater im Raum  befindet. Was Katzen angeht, da gibt es gegensätzliche Meinungen dazu. Manche Wahrsager  lassen unbedingt eine Katze in den Raum, da die Katzen  ihrer Meinung nach mit der „dünnen Welt“ verbunden sind und so lässt sich diese Verbindung beim Kartenlegen leichter herstellen. Andere dagegen sind der Meinung, dass genau diese Verbindung  dadurch negativ beeinflusst wird. Also es liegt an euch, zu entscheiden, wer im gleichen Raum während des Rituals dabei sein darf.

 

-         Es ist unratsam, nach  Mitternacht Karten zu fragen. Die beste  Zeit dafür ist  von 7 Uhr bis 23 Uhr.

 

-         Fragt niemals die Karten am Montag! Montag wird vom Mond regiert, an diesem Tag lügen die Karten.

 

-         Der Sonntag ist auch schlecht fürs Kartenlegen, und die kirchlichen  Feiertage genauso. -  Am besten  sind die folgenden Tage des Mondkalenders geeignet: 12., 15., 19., 22., 25., 27. und 28.. Am 9., 26. und 29.  Mondtag lügen die Karten.

 

-         Für ein und dieselbe  Person darf man nicht mehr als dreimal am Tag die Karten fragen.

 

 

Den Mondkalender 2009 findet ihr  hier.

 

Es gibt ein interessantes Ritual: In der Nacht vom 1. zum 2. Februar kann man die Karte unter den Kopfkissen legen, die Euren Wunsch symbolisiert. Dann geht der Wunsch in Erfüllung. Zum Beispiel, ein Mädchen, das den Mann heiraten möchte, den es liebt, sollte Herz As zusammen mit Herz König oder Herz Bube (je nach Alter des Geliebten) unter das Kopfkissen legen.

 

 

 

 

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