Mstera Ikonenmalerei

 


 

Mstera…Der Name, der in Russland mit der Kunst der Ikonenmalerei verbunden ist. Es gibt in Russland nur drei Dörfer, die als Ikonenmalerei-Dörfer bezeichnet wurden – Palech, Mstera und Holui – und Mstera ist wahrscheinlich der meist geheimnisvollste Ort von allen drei.

 

 

Nehmen wir den Namen selbst. Mstera - Russisch „Мстёра“ - wird richtig (und richtig ist es so, wie die Einheimischen den Namen aussprechen) als „Mstöra“ ausgesprochen. Viele möchten diesen Namen mit dem Wort „Meister“ – Russisch „мастер“ – verbinden, aber dem ist nicht so. Der Ort hat seinen Namen von dem Fluss Msterka und hieß bis zum 20. Jahrhundert „Bogojavlenskaja Sloboda“. Manche sagen, dass der Name von dem Wort „Ort“, Russisch „Mesto“ kommt, und der Wortwurzel „ter“, die in vielen Sprachen vorkommt und „Erde“ bedeutet.

 

Wie dem auch sei, aber die Menschen haben von alters her hier gewohnt, obwohl die Erde hier unfruchtbar ist, viel zu sandig. Vielleicht haben die Bewohner von Mstera deswegen mit Ikonenmalerei angefangen, wer weiß…

 

 

Mit der Ikonenmalerei haben die Bewohner von Mstera schon im Mittelalter angefangen. Ihre Ikonen haben der Russisch-orthodox Kirche zuerst gar nicht gefallen, da Mstera zur nicht-kanonischen Russisch-orthodoxen Kirche gehörte (in Russisch „starovery“, wörtlich „dem alten Glauben angehörend“). Aber dem russischen Volk haben die Ikonen sehr gefallen, und so ist irgendwie zusammen gewachsen, was nicht zusammengehörte, wie schon oft in der russischen Geschichte davor und danach. Später haben die Bewohner von Mstera angefangen, ihre Ikonen selbst zu verkaufen.

 

Mstera liegt am Ufer des kleinen aber schönen Flusses Msterka. Die Hauptstrasse ist etwa zwei Kilometer lang  und geht dem Fluss nach. Auf der Hauptstrasse stehen nebeneinander Dorfhäuser, Einkaufsläden, zwei Kirchen, große „städtische“ zweistöckige Häuser aus roten Mauersteine, das Kaufhaus, die Fabriken: die Miniaturmalerei-Fabrik, die Stickerei-Fabrik, die Fabrik zur Herstellung von Kinderspielzeug  und das berühmte Museum von Mstera -  einfach alles auf einer Strasse.

 

Mstera ist bekannt als Dorf der Ikonenmalerei und Miniaturmalerei, das ist die Wahrheit, aber nicht die ganze Wahrheit. Das Dorf entwickelte sich als Verkaufsdorf, das bedeutete, dass die Ware musste als Ganzes in Mstera produziert werden musste, sonst lohnte es sich nicht. Man brauchte zum Beispiel den Beschlag für die Ikonen – so entstanden die Werkstätten für Ziselieren und  Gravierung. Nach der russischen Tradition schmückte man in Häusern die Ikonenecke mit den Tüchern aus Leinen, die man mit Stickereien dekorierte. – So ist die Mstera Stickerei entstanden: die Plattstickerei und die mit der roten Naht. Es gibt heute im Mstera Museum über 3000  Ausstellungsstücke – Schatullen, Bilder, Stickereien, Ikonen mit Beschlägen, die mit einer Ziselierung, Emaille und/oder einer Gravur dekoriert sind.

 

 

Fast in jedem Haus in Mstera wohnen Künstler: Meister der Lackmalerei, der Stickerei, Gravurenmaler oder Juweliere. Oft wohnen in einem Haus sogar zwei oder drei Preisträger, nationale und internationale, hier wohnen Verdiente und sogar Volkskünstler von Russland.  Mstera ist gar nicht so einfacher Dorf.

 

Apropos, wenn man sich die Karte anschaut, wird man feststellen, dass es zwei Orte namens „Mstera“ in der Wladimir Region gibt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde hier die Eisenbahn nach Moskau gebaut. Die Strecke sollte absolut gerade sein. Und wenn ein Dorf oder eine Stadt unbedingt wollte, dass die Eisenbahn durch ihren Ort fährt, musste diese Gemeinde die Kosten für den Umweg übernehmen. Offenbar konnten nur die Gemeinden von Wladimir und Kowrow das Geld dafür aufbringen. Die temporären Bahnhöfe hat man damals mitten im Wald gebaut und nach dem nächstgelegenen Ort benannt, der manchmal sieben, acht oder sogar zwanzig Kilometer von der Eisenbahnstrecke entfernt waren.

 

Am Anfang hat man nur ein kleines Häuschen als Bahnhofgebäude, einen Bahnsteig und einen Wasserturm für die Dampflokomotive auf solchen temporären Bahnhöfen gebaut. Das vorübergehende ist bekanntlich nachhaltig. Um die temporären Bahnhöfe sind die Wohnorte entstanden, aber die Namen sind geblieben und sorgen für den Wirrwarr bei der Post- und Warenzustellung und besonders bei den Touristen. So ist auch das zweite Mstera entstanden und liegt 15 km entfernt vom berühmten Namensvetter.

 

 

Die Traditionen der Mstera Ikonenmalerei gehen zurück auf das Kopieren der byzantinischen Ikonen. Es ist schwer zu sagen, wenn dies angefangen hat, aber es ist allgemein bekannt, dass in der Mitte des 17. Jahrhunderts die Städte Suzdal, Wladimir und Moskau die Maler aus Mstera einluden, um die Kirchen zu bemalen.

 

Es ist bekannt, dass schon im 17. Jahrhundert die Mstera Ikonenmaler die Ikonen in einer Gruppe  anfertigten. Aus diesem Grund haben die Mstera Ikonen oft keine Unterschrift des Malers. Die Gruppe arbeitete in einem Haus. Der Holzrohling wurde zuerst von den Tischlern bearbeitet: geglättet, furniert, die Vertiefungen wurden ausgeschnitten. Dann arbeitete der Meister mit der Ikone weiter, der sie mit einer besonderen Schicht bedeckte  – mit dem „Levkas“. Die Levkas-Rezeptur wurde von jeder Meistergruppe geheim gehalten, die Hauptkomponente dieser Masse sind Kleber und Kreide. Nach dem Trocknen hat der Schleifer weiter mit der Ikone gearbeitet und dann erreichte sie den Arbeiter namens „Chef“. Komisch aber war: diese Name trug fast immer der Handwerkbursche, der nur die Konturen des Bildes mit Hilfe einer fertigen Schablone auftrug.

 

Dann hat der Maler mit der Ikone weiter gearbeitet, dessen Aufgabe war es, die Details wie Gebäude, Kleidung und Hintergrund zu malen; danach malte ein anderer Maler, der sich nur auf das Malen von Gesichten spezialisierte, die Gesichte den Heiligen. Danach wurden die Heiligenscheine von einem anderen Maler mit einer speziellen Mischung aus Goldpulver und Ei bearbeitet.


Und nur dann kam die Ikone in die Hände des Malers, der „Meister“ oder „Talent“ genannt wurde. Er arbeitete mit einer Lupe in einer Hand und einen Pinsel in der anderen und malte die Details, besonders die Gesichtsdetails fertig.

 

Den Dörfern, in denen die Volkskunst hergestellt wurde, ging es in den letzten einhundert Jahren mal besser und mal schlechter. Die Oktober Revolution von 1917 war ein schwerer Schlag für sie. Die Kirchen wurden zerstört und ausgeraubt und es schien so, dass niemand sich mehr für Ikonen interessieren würde; die Maler waren arbeitslos und hoffnungslos.

Hilfe kam unerwartet am Ende der zwanziger Jahre letzten Jahrhunderts. Der Schriftsteller Maxim Gorki, der in die UdSSR zurückkehrte, plante unter anderem neue Ausstellungen und, unterstützt von Stalin, lieferte er den Ikonenmaler der Wladimir-Region neu Themen für ihre Arbeit: Illustrationen zu den altrussischen literarischen Werken und Märchen. Diese Themen haben sich bei den Maler von Mstera unerwartet als sehr passend erwiesen. Demonstrationen ihrer Werke bei den Ausstellungen in Paris und Mailand in der Zwanziger Jahren war ein absoluter Triumph. 

 

In der sowjetischen Zeit wurden die Miniaturen-Maler in der Kunstschule ausgebildet. Es gibt nicht so viele Lehrbücher darüber, und der größte Teil des Wissens ist überhaupt nicht niedergeschrieben. Das meiste von dem, was diesen Beruf ausmacht, sind neben den eigenen Erfindungen die Kenntnisse, Erfahrungen und Geheimnisse, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

 

Man kann nicht umhin an den berühmten Mstera-Maler Kirikow zu erinnern. In der Mitte des 20. Jahrhunderts malte er die Kopie der berühmten Ikone „Troitsa“ (die Dreieinigkeit) von Rublew. Und er hat es so gut gemacht, dass die internationalen Experten nicht mit Sicherheit sagen konnten, welche Ikone denn die von Rublew und welche die von Kirikow war. Ein Glück, dass Kirikow ein Holzbrett genommen hat, das ein paar Zentimeter größer war, als das von Rublew.

 

Die Geschichte des Mstera kennt viele Talente. Man möchte sehr hoffen, dass Mstera weiterhin eines der Symbole der russischen Volkskunst bleibt.

 

 

 

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