Gzhel Keramik

 


 

Die Welt der hellblauen Rosen und blauen Vögel

 

Gzhel, das Keramikzentrum Russlands, ist ebenso der Name der berühmten russischen Volkskunstart - das blau-weiße Wunder Russlands.

 

„Gzhel“ - so heißt ein altes Dorf an den Ufern des Flusses Gzhelka in der Ramenskoje Region, etwa 60 km von Moskau entfernt. Seit Alters her ist eine Lehmlagerstätte in dieser Region bekannt. Das Wort „Gzhel“ kommt vom russischen „жгель“, was im altrussischen „brennen“ bedeutete. Schon in Alt-Russland haben in dieser Gegend die Töpfer gelebt, das haben die archäologischen Funde in dieser Region bestätigt. Außer dem Dorf Gzhel gibt es hier etwa 30 andere Töpfer-Dörfer – Glebowo, Retschitsy, Nowo-Haritonowo, Ignatjewo und andere. Sie alle gehören zum „Gzhel Gebiet“. Die Bevölkerung der Gzhel Region gehörte früher dem nicht-kanonischen Russisch-orthodoxen Glauben an, aus dieser Zeit sind einige nicht-kanonische Kirchen in der Region erhalten geblieben. Sie sind unheimlich schön, diesen architektonischen Stil nennt man „byzantinisch“ – streng, prägnant und sehr russisch.

 

 

Die Lehmlagerstätte hier ist schon fast erschöpft, aber früher gab es hier weißen Lehm. Man unterscheidet zwischen rotem, gelbem und weißem Lehm und nur weißer Lehm ist für die Herstellung von Porzellan und Fayence brauchbar.

 

Die Bauern der Gzhel Region waren nie Leibeigene, nach dem „Apotheken“-Gesetz des Zaren Aleksej Michailovitsch aus dem 17. Jahrhundert war die Töpferei als Hauptbeschäftigung für die ganze Region festgelegt. Im 18. Jahrhundert enträtselte der Chemiker Dmitrij Winogradow das Geheimnis des chinesischen Porzellans und gerade Lehm aus Gzhel wurde für die Herstellung des ersten russischen Porzellans benutzt.

 

Die Töpferei in der Gzhel Region war am Anfang ein Familiengeschäft. Die Berufskenntnisse wurden geheim gehalten und von Generation zu Generation weitergegeben. Im 19. Jahrhundert gab es aber immer weniger Einzelgänger in diesem Beruf, entweder machte man eine eigene Fabrik auf oder arbeitete in Gruppen. Nach der Volkszählung des Jahres 1871 gab es in 16 Dörfern der Gzhel Region 11 Einkaufsläden, 15 Kneipen, 11 Gaststätten, 5 Herbergen und 88 Töpfereien.

 

Am Zarenhof wurde Gzhel „Bauer“ Porzellan sehr beliebt, an Aufträgen hat es nicht gefehlt: vom berühmten „Gurjew“ Tafelgeschirr für 150 Personen bis „Tete-a-Tete“ Tafel für zwei Personen und sogar die „Egoist“ Tafel für eine Person.

 

Dann kam die „rote“ Zeit und die Enteignung der „Kulaken". Kulaken waren die wohlhabenden - sprich schwer und besser arbeitenden – Bauern. Stellen Sie sich vor, wie viele Emotionen hinter dieser Information aus der Enzyklopädie stehen: „In den Jahren 1918 und 1919 wurden in Gzhel Keramik Region alle Fabriken und Töpfereien nationalisiert. Aus sieben davon, die besser ausgerüstet waren, entstanden die staatlichen Werkstätten.“ Alle anderen wurden einfach geschlossen. Die neue Macht hatte andere Interessen als die Rettung den Volkskünste. Und so würden sie in Vergessenheit geraten, wenn nicht außergewöhnliche Menschen in die Werkstätten kämen. Im Jahr 1933 wurde die Werkstatt im Dorf  Turygino (ehemalige Fabrik der Gebrüder Dunaschow) neu eröffnet. Die zwei Menschen, die in dieser Werkstatt zu arbeiten angefangen haben, waren der Kunstwissenschaftler Alexander Saltykow und die Malerin  Natalia Bessarabowa – sie haben den neuen Gzhel Stil konzipiert und entwickelt: die bekannten blauen Muster auf weißem Hintergrund. Zuvor war Gzhel neben blauweiß auch bunt…

 

Technologie der Herstellung der Keramik

 

 

Um die Qualität der Gzhel Keramik zu verstehen, sollte man erst einige Begriffe kennen. Also:

Porzellan ist ein Produkt aus Feinkeramik, wasserdicht, meist weiß, an sehr dünnen Stellen sogar durchleuchtend.

Fayence ist ein Erzeugnis der Feinkeramik, dicht und kleinporig. Fayence ist nicht ganz wasserdicht und deswegen wird es mit einer dünnen Glasurschicht bedeckt.

Keramik ist ein Produkt aus gebranntem Ton.

Majolika ist Keramik, die mit undurchsichtiger Glasur bedeckt ist.

 

Die Herstellungskette der Gzhel Keramik sieht etwa so aus: Formgebung in Gipsformen, Trocknen, Aussortierung der Erzeugnisse mit Rissen, brennen, bemalen.

 

Der Ton aus der Gzhel Region hat besondere Eigenschaften: hohe Duktilität und Feuerfestigkeit. Er ist fett, das heißt, es enthältt wenig Sand. Zuerst wird die primäre Verarbeitung durchgeführt: der Ton wird eingefroren, wieder aufgetaut und durchgeknetet.

 

Dann ist der Meister gefragt. Er macht eine Skizze vom Keramikstück, das er sich ausgedacht hat und bemalt es sorgfältig mit einem ausgedachten Ornament. Es wurde ein Plastikmodel angefertigt und damit eine Gipsform hergestellt. Die Form wird mit der Tonmasse gefüllt und ein erstes Mal gebrannt. Das erstes Brennen wird bei 900 Grad durchgeführt.

 

Dann wird das Erzeugnis mit Ornament bemalt. Es darf kein Fehler passieren: die poröse Keramik saugt sofort die Farbe ein.

 

Die Bemalung wird nur mit einer speziellen Keramikfarbe – Kobalt – durchgeführt. Sie ist pechschwarz und wird nach dem Brennen leuchtendblau. Die Meister von Gzhel erzeugen mehr als 20 Nuancen von Blautönen. Was für ein Farbgefühl muss man haben, um eine bestimmte Blauennuance bei der Bemalung mit der schwarzen Farbe zu erzielen!

 

Nachdem das Ornament aufgetragen ist, wird das Stück in Glasur getaucht und noch einmal gebrannt, diesmal bei 1350 Grad. Bei dieser Temperatur wird die Glasur durchsichtig wie Glas und Kobalt ändert seine Farbe.

Es gibt drei Arten der Gzhel Malerei.

 

Pflanzliches Ornament – besteht aus Gras, Getreide, Beeren, Zweigen, Blättern, Sträußen und Girlanden von Blumen. Außer Rosen sind auch Mohn, Lilien, Pfingstrosen, Astern, Nelken, Kamille und Gänseblümchen vertreten.

 

Andere Ornamente: mehrere Reihen von blauen und weißen Quadraten, bekanntes Gzhel Gitter-Ornament (in Fichtenform), „Tröpfchen“, „Perlchen“ oder „Fischbeinchen“.

 

Malerei: die Natur und die Jahreszeiten, Landschaften oder Szenen aus russischen Märchen.

 

Und noch einmal zu der Frage „Was ist Gzhel?“

 

 

Gzhel – das sind Menschen, Talente und wahre Meister, deren Können und deren Gefühl für die Keramik-Kunst in den Familien von Gzhel  sozusagen „genetisch“ vererbt wird. Es ist kein Geheimnis, dass der ein oder andere ungelernte Erbtöpfer die Werke, die unsere Bewunderung immer wieder hervorrufen ohne theoretische Kenntnisse angefertigt hat. Gzhel ist Gottes Gabe und menschliche Arbeit; Gzhel - das sind Namen, bekannte und weniger bekannte, - aber sie alle haben Gzhel zu dem gemacht, was es heute ist - das russische „blau-weiße Wunder“:

Dunaschowa, Denisow, Asarowa, Okulowa, Rosanov, Zaregorodzew. Die Werke der Malerin Bessarabowa sind im Historischen Museum in Moskau und im Russischen Museum in St. Petersburg zu sehen. Das ist Wahre Gzhel.

 

Freilich sollte es auch eine günstigere Produktion mit der Gzhel Marke geben, aber viel wichtiger ist, dass es auch Gzhel von hohem künstlerischen Wert gibt, talentiert und einmalig

 

 

 

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