Fedoskino Miniaturmalerei


 

Miniaturlackmalerei von Fedoskino als Volkskunst ist nicht alt, nur etwas über 200 Jahre. Fedoskino ist auch nicht sonderlich bekannt, man weiß eher etwas über Palech, wenn überhaupt. Sie sind auch überhaupt nicht vergleichbar, Palech und Fedoskino – so ähnlich und so unterschiedlich, wie eine Blüte vom Kirschbaum und die vom Apfelbaum.

 

             1825-1828                             1890                                             1890

 

Schatulle ist überhaupt nicht jedermanns Sache, sie ist etwas für einen Kenner. Und der Preis ist auch nicht für jeden bezahlbar. Aber wenn Sie die Gelegenheit dafür bekommen, nehmen Sie die Fedoskino Schatulle in die Hand, spüren Sie ihre angenehme Schwere, machen Sie vorsichtig den lackierten Deckel auf, gucken Sie, wie blutrot sie innen ist, schauen Sie sich genau die Miniatur an. Das ist wirklich ein von Hand gemachtes Wunder, das ist Kunst. Das weckt etwas in unserem Inneren, wundert uns, bringt uns zum Nachdenken.

 

Fedoskino ist ein altes russisches Dorf an den Ufern des Utscha Flusses, der 38 km entfernt von Moskau fließt. Eine schöne Gegend. An einem Ufer stehen die Häuser, am anderen – das Fabrikgebäude.

 

Die Hauptrolle bei der Entstehung der berühmten Fedoskino Miniatur spielten eine Kaufmannshochzeit und lackierte Mützenschirme.

 

 

                 1968                                 1870                                  2004

 

Im Jahre 1795 entschied sich der Moskauer Kaufmann Pjotr Korobow für einen neuen Geschäftsbereich: anstatt Seife hat er angefangen, die lackierten Mützenschirme für die russische Armee zu produzieren. Dafür gründete er eine kleine Fabrik im Dorf Danilkowo.

Die Mützenschirme wurden aus dem Pappmachee (zerkleinertem eingeweichtem und gepresstem Papier) gemacht.

 

Da es mit den Mützenschirmen nicht so gut geklappt hat, versuchte Korobow es weiter mit Tabakdosen. Tabak zu schnupfen war gerade in Mode gekommen. Damit die Tabakdosen schöner aussehen, entschied Korobow, Bilder darauf zu kleben. Dafür hat er die erfahrenen Meister der berühmten Lackierfabrik von Kaufmann Stobwasser aus Braunschweig eingeladen. Die deutschen Meister haben ihre Kenntnisse an die russischen Meistern übergeben und so produzierte die Fabrik bald nicht nur Tabakdosen, sondern auch Schatullen und Schächtelchen für Nähzeug und ähnliches. Aber es war noch keine Malerei, die Bilder wurden nur aufgeklebt.

 

Inzwischen ist Korobows Tochter, Katerina Korobowa, groß geworden, und ein anderer Kaufmann, Pjotr Lukutin, hat um ihre Hand angehalten. Sehr bald nach der Hochzeit hat Lukutin bewiesen, dass er nicht umsonst der Kaufmann nicht zweiter Gilde wie Korobow, sondern erster Gilde war. Er hat sofort das Potenzial der Fabrik erkannt und sie auf das andere Ufer des Flusses in Fedoskino umgesiedelt. Er hat ein neues Gebäude für die Fabrik gebaut und die Maler eingeladen. Bald darauf schrieb die örtliche Zeitung, dass die Tabakdosen von Kaufmann Lukutin nicht nur genau so gut wie die aus Braunschweig sind, sondern sogar besser, mit schönen Malereien und dabei sogar preisgünstiger.

 

                 2000                                  1840                                    1994

 

Später hat Fedoskino-Fabrik ihren Stil geändert und für die Malerei nur die Themen aus dem Volksleben verwendet. Daraufhin erhielt die Fabrik vom Zarenhof das Recht auf einen eigenen Stempel, den zweiköpfigen Adler, und wurde zum Zarenhof-Lieferanten.

 

Die Fabrik wurde von den Erben weiter geführt. Lukutins Sohn, Alexander, war sozusagen mit der Fabrik verheiratet, machte selbst Skizzen, wählte Bilder und Gravuren für die Schatullen aus. Lukutins Enkel, Nikolai, war ein Mäzen, Philanthrop und Sammler, die Fedoskino Fabrik war für ihn eine Last und er hat sie so „gut“ bewirtschaftet, dass die Fabrik im Jahre 1904 geschlossen wurde.  

 

Die Meister der Fedoskino-Fabrik versuchten ihr Glück woanders, aber die meisten von ihnen haben sich dann zusammengeschlossen und eine Genossenschaft gegründet. Dadurch blieben die Fedoskino Traditionen erhalten.

 

In der UdSSR wurde die Fabrik zwar gefördert, sie war aber auf Massenproduktion ausgerichtet. Das konnte nur zu Qualitätsverlusten führen. Aber die Tradition und die Technologie der Miniaturlackmalerei sind erhalten geblieben, das kann man den Kommunisten gut schreiben.

 

                                                         1994

 

 

So wird eine Schatulle gemacht

 

 

Man beginnt mit der reinen braunen Holzpappe. Mehrere Schichten der Pappe werden aufeinander geklebt, unter die Presse gelegt und anschließend um eine Form gewickelt. Danach wird eine „Suppe“ aus der Pappe gekocht. Dann wird die Schatulle in Leinenöl gekocht, die Pappe soll das Öl aufsaugen. Weiter wird die Schatulle im Ofen bei hoher Temperatur getrocknet.

 

Das fertige Pappmaschee ist wie Holz, man kann es schneiden, sägen und sogar auf der Drechslerbank bearbeiten. Man glaubt es nicht, dass die Schächtelchen nicht aus Holz gemacht wurden. Um die absolut glatte Oberfläche zu bekommen, wird die Schatulle grundiert, gespachtelt und geschliffen. Die Scharniere werden in den Deckel eingesetzt, die Wände werden von außen lackiert und von innen mit blutrotem Zinnober bemalt. Dann arbeitet ein Maler-Miniatirist weiter mit der Schatulle.

 

Es wird Alu- und/oder Bronzepulver als Grundierung benutzt und auf den Lack geklebt. Die Farben, die auf diese Grundierung aufgetragen werden, verlieren nicht ihre Intensität. Die anderen Varianten der Grundierung sind die aus Blattgold, Silber, oder aus den kleinsten Stückchen der Perlmuttermuscheln, für die kleine Nischen in den Wänden ausgeschnitten werden, um sie hinein zu kleben. Wir werden diese Details nicht sehen können, man merkt nur, dass die Miniatur von innen strahlt und leuchtet.

 

Die Themen der Fedoskino Miniaturen sind Portrait, Landschaft, Szenen aus dem altrussischen Volksleben oder Märchen. Das Bild auf dem Schatullendeckel ist unheimlich schön. Es ist eine kleine Welt und es wirkt magisch, als ob man durch ein Fenster in eine andere schönere Welt hinein schaut. Die Fedoskino Meister verwenden die klassische altrussische Art der Malerei – die dreischichtige Ölmalerei. Diese Art der Malerei gibt der Zeichnung eine Reliefförmigkeit und eine Tiefe. Schauen Sie diese lebendigen Gesichter an – die kleinsten Details wie Wimpern, Fältchen oder Wangenrot – die Malerei leuchtet!

 

Es gibt zwei Methoden, das Bild auf die Schatulle aufzutragen. Bei der ersten Methode werden dichte (undurchsichtige) Ölfarben und Lacke verwendet. Bei der zweiten werden extrem dünne Blätter vom Blattgold und/oder von der Perlmutter auf die lackierte Oberfläche aufgeklebt und der Meister malt darauf mit durchsichtigen Ölfarben. 

 

Einen Monat lang wird die Schatulle bei Zimmertemperatur getrocknet, einen Monat lang – im Ofen, etwa einen Monat dauert das Auftragen des Bildes, noch einen Monat – das Lackieren. Im Durchschnitt dauert die Fertigstellung einer Schatulle vier bis sechs Monate.

 

                  1978                                2000                                     1990

 

Der original Stempel der Fedoskino-Fabrik ist das mit der Goldfarbe gemalte Dreigespann und das Wort „Fedoskino“, der Stempel  ist auf der roten inneren Seite des Deckels zu sehen. Jede originale Schatulle der Fedoskino-Fabrik hat eine Nummer, die in das Protokoll der Sitzung des Kunstmanagements der Fabrik eingetragen wurde. So wird dann jede Schatulle abgestempelt: der Stempel selbst, das Wort „Fedoskino“, das Jahr der Herstellung, der Bildtitel, der Name des Malers und die Schatullennummer.

 

Wenn der Maler solch eine Schatulle nicht in der Fabrik, sondern zu Hause gemacht hat (und das ist oft der Fall und durchaus erlaubt), wird die Schatulle ganz bestimmt eine hohe Qualität haben, aber es wird der Stempel der Fabrik – das Dreigespann - sowie die Nummer auf dem Deckel fehlen.

 

Fedoskino Schatulle krümmt oder weilt sich nicht. Die vor 200 Jahren hergestellten Schatullen sehen auch heute wie neue aus. Das liegt am Wunderlack von Fedoskino. Es gibt Geschichten über die Schatullen, die aus untergegangenen Schiffen vom Meeresgrund geborgen wurden – unbeschädigt. Die Fedoskino-Fabrik gibt eine hundertjährige Garantie. Die Fedoskino Meister arbeiten für die Ewigkeit

 

Ich wünsche es mir, nein, ich wünsche es uns allen, dass die Volkskunst von Fedoskino sich in unseren kommerziellen Zeit nicht auflöst, sondern dass die talentierte Jugend einen Weg zur Fabrik findet und dass Fedoskino Miniatur auch den zukünftigen Generationen der Menschen  Freude bereitet.

 

Unter der Adresse  http://www.fedoskino.org/  ist die Internetseite der Fedoskino Fabrik zu finden. Die Homepage ist zwar in russischer Sprache aber mit dem Google Language Tool  lässt sie sich ins Deutsche übersetzen.

 

        Fedoskino                 die Fabrikgebäude in Fedoskino     eine Malerin bei der Arbeit

 

 

 

 

 

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